Konzeptstudie zu Nutzung und Technik des Public Telescope gestartet

Am 25. Januar 2013 startete die Erarbeitung einer Konzeptstudie zur Definition des konkreten Nutzungsspektrums des Weltraumteleskops sowie der funktionalen und technischen Anforderungen an Optik und Satellit. Die hochkarätige Teilnehmerrunde war sich einig, dass nur sorgfältige Planung und gemeinsame Anstrengungen zum Erfolg führen werden.
Entsprechend angeregt diskutierten die anwesenden Professoren, Astronomen, Funkamateure, Weltraumtechniker und Journalisten über Nutzen und Verständnis der ambitionierten Mission.

Astronauten denken "Out the box"

Der Tag begann mit einer Grußbotschaft des deutschen Astronauten Gerhard Thiele, der aus Wien per Videoübertragung in den Sitzungssaal zugeschaltete wurde. Der sichtlich begeisterte Raumfahrer erzählte von seinem ersten Treffen mit Heiko Wilkens, dem Vater des Vorhabens, in einem Wiener Kaffeehaus im Mai 2012 und der erstaunlichen Entwicklung des Projekts in den folgenden 9 Monaten. Er versprach, das Unterfangen mit seiner Erfahrung und seinem Fachwissen auch weiterhin nach Kräften zu unterstützen.

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Die 9 quadratisch angeordneten Punkte lassen sich mit einem durchgängigen Strich nur dann geradlinig verbinden, wenn der Strich außerhab beginnt und die "Box" zwischendurch wieder verlässt.

Thiele gab den Teilnehmern eine praktische Empfehlung für die Bewältigung der Herausforderungen der Studie an die Hand: Mit Blick auf das Logo der Klaus Tschira Stiftung, die den Bau der Tagungsstätte des Workshops, das Haus der Astronomie in Heidelberg förderte, ermutigte er alle Beteiligten, auch außerhalb gängiger Konzepte der Satellitentechnik und Weltraumteleskopie zu denken - also "Out of the box". Ein Vorschlag, den die Zuhörer gerne aufnahmen und der sie im Verlauf des weiteren Tages zu innovativen Realisierungsvorschlägen für das Projekt führte.

Erfahrungen und Kompetenzen

Die fachliche Grundlage für die weiteren Diskussionen des Tages legten die engagierten Vorträge der anwesenden Teilnehmer. Dr. Norbert Kappelmann von der Universität Tübingen wies darauf hin, dass Größe, Art und verwendete Bauteile besonders wichtige Faktoren sind, da sie maßgeblichen Einfluss auf Kosten und Nutzen des Teleskops haben. Prof. Dr. Thomas Boller vom Max-­Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching referierte über die Möglichkeiten im Bildungsbereich für Schüler und Studenten, die sich mit einem solchen „Volksteleskop“ für die zukünftige Ausbildung von Weltraumforschern ergeben. Mario Lorenz von der Amateurfunksatelliten-­Vereinigung AMSAT-DL sprach über Mittel und Wege das Teleskop in den Orbit zu schicken. So müsste der Satellit möglichst „Huckepack“, also als Zusatzladung eines offiziellen Raumflugs, die Erdatmosphäre verlassen. Prof. Dr. Klaus Werner von der Uni Tübingen äußerte die Idee, zur Finanzierung auch neue, bislang unerprobte Satelliten-­Technologien mit zu verwenden. Vor diesem Hintergrund könne man auch öffentliche Institute wie das Deutsche Zentrum für Luft-­‐ und Raumfahrt (DLR) für die Mission begeistern. Für den Bereich Wissenschaft und Forschung werde das Projekt zudem interessant, wenn es gelingt, das Teleskop zusätzlich mit einem UV-­Spektrographen auszustatten. So könnte das Weltraumteleskop der internationalen Forschungs-­Community einzigartige Dienste leisten, da es das einzige seiner Art wäre und die Forschungen in diesem Bereich längst noch nicht abgeschlossen sind.

Nutzen für Anwender und Geldgeber

Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes sind ‐ neben der Einigung auf technische Fragen ‐ zudem die Gewinnung und das Engagement von Sponsoren und Unterstützern. In einer gemeinsamen Anstrengung sollen der Bau und der Raumflug des Teleskops finanziert werden. Auch für die spätere Nutzung des „Volksteleskops“ sollen teilweise Spendengelder eingeworben werden. Interessenten schlagen Beobachtungsprogramme vor und Förderer oder Sponsoren finanzieren die Umsetzung. Über Stipendien sollen Amateure, Schüler und Studenten die Möglichkeit erhalten, das Weltraumteleskop kostenlos zu verwenden. Das sei ein wichtiger Schritt, um Kindern und Jugendlichen die interessanten Berufsbilder im Bereich Astronomie näher zu bringen und insgesamt noch mehr Faszination für den Weltraum in der Bevölkerung zu wecken. Daneben soll natürlich jeder das Teleskop ganz klassisch mieten können, um Arbeiten seiner Wahl damit durchzuführen.